Viele Köche besprechen den Brei – Forschen in einem interdisziplinären Team.

Über Qualitative Sozialforschung darfNoten ich nicht Lehrveranstaltungen abhalten sondern auch aktiv betreiben. Seit Juni 2019 bin ich Teil eines interdisziplinären Forschungsteams, das sich mit der Entwicklung, Implementierung und Evaluation von einem Augmented-Reality-Tool für den instrumentalmusikalischen Unterricht beschäftigt.

Gemeinsam mit einer Kollegin sind wir dafür zuständig, die Wirkung dieses neuen Übe-Werkzeugs herauszuarbeiten. Das Forschungsprojekt ist insgesamt sehr explorativ angelegt, da wir nicht wissen, welche Ergebnisse zu erwarten sind. Zusätzlich spielen die Instrumentalunterrichtslehrenden eine Schlüsselrolle bei der Datenerhebung, da wir im Unterricht selbst nicht bzw. kaum anwesend sein werden.

Das Team setzt sich aus einer Psychologin, vier Akustikingenieuren und mir zusammen. Bei der Entwicklung des Evaluationsdesigns stoßen wir auf paradigmatische Unterschiede in unserer Forschungsphilosophie. So steht immer wieder zur Debatte, wie wir die Möglichkeiten „Wahrheit“ bzw. „Realität“ in einem sozialen Raum zu erheben vermögen. Wissenschaftstheoretische Schulen treffen hier aufeinander.

Lupe

Mit Blick in die Lehrbücher empirischer Sozialforschung lassen sich zunächst drei Thesen formulieren:

  1. Die Sozialwissenschaft benötigt Forschungsmethoden, die an das zu untersuchende Phänomen angepasst werden.
  2. Der Forschungsprozess muss durchwegs systematisch und nachvollziehbar angelegt sein.
  3. Die Forschungsmethoden müssen so ausgewählt werden, dass objektive Daten gesammelt bzw. erhoben werden können.

Die dritte These lässt aufhorchen: Wann sind Daten objektiv, wenn ich, wie in unserem Fall, soziales und sogar künstlerisches Verhalten erheben möchte?  Wie kann eine zutiefst subjektive Tätigkeit (Spielen eines Instruments) objektive Daten erzeugen?

Darüber sprechen wir gerade häufig in unserem interdisziplinären Forschungsteam und obwohl die wissenschaftstheoretischen Schulen sehr unterschiedlich sind, müssen wir über die Natur der Daten, die wir erheben, sprechen. Folgende Fragen leiten uns:

  • Müssen DiskussionsTNwir dafür sorgen, dass möglichst wenig Intrusion das Verhalten der Instrumentalschüler*innen beeinflusst oder ist die Situation, wie sie mitsamt aller Faktoren konstruiert wird, „wahr“ genug?
  • Sind Fragen nach objektiven Daten (z.B. durch den Ausschluss sozialer Erwünschtheit) überhaupt relevant, wenn der Prozess der Datengenerierung und -erhebung hauptsächlich von den Unterrichtenden und Musizierenden selbst durchgeführt wird?
  • Welche Wirklichkeit ist mehr wert: Eine, die wir als objektiv empfinden, oder die vom Subjekt konstruierte Wirklichkeit?
  • Werden subjektiv erzeugte Daten durch wiederholte Messungen mit mehreren Personen möglicherweise objektivierbar?

Diese Fragen sind noch nicht beantwortet und vielleicht kommen wir während unseren Diskussionen und Erhebungsversuchen drauf, dass wir noch andere Fragen stellen oder die hier aufgezählten Fragen neu formulieren sollten.

 

Fortsetzung folgt.

 

 

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