Zur Mitarbeit motivieren?

Wie können Lernende dazu motiviert werden, sich aktiv am Kursgeschehen zu beteiligen? Diese Frage ist eine der häufigsten, die Lehrende stellen, wenn es um die Gestaltung von Lehr-Lernprozessen geht.

Wichtig ist zunächst die eigene Ausgangsprämisse zu überprüfen: Welcher Anspruch steckt hinter dem Wunsch, dass Kursteilnehmende sich aktiv beteiligen sollen? Der Wunsch nach aktiver Beteiligung sollte möglichst am Lernerfolg der Studierenden orientiert sein. Ich beobachte mich allerdings auch manchmal, dass ich das Gelingen meines didaktischen Plans einfordere. Auf diese Weise verdränge ich das Wesentliche mit meiner Lehre. Lehre steht im Dienst des Lernens bzw. der Lernenden. Dann stellt sich die Frage, welchen Beitrag sie für erhöhte Lernmotivation leisten kann. Ich verwende hier bewusst das Verb können, weil es Vagheit andeutet. Bevor wir also zur „Wie-Frage“ übergehen können, muss geklärt werden, ob und wozu.

InteraktionAls Lehrende müssen wir uns überlegen wieviel Verantwortung wir für Lernmotivation tragen wollen/sollen/können. Lernen ist an sich nämlich immer eine aktive Tätigkeit und kann nicht passiv hergestellt werden. Das heißt, ich kann Lernen weder grammatikalisch noch sinngemäß im passiv verwenden: Ich habe ihnen was gelernt!  Deswegen reden wir im Lehrberuf gerne vom Vermitteln. Aber auch der Begriff hat noch nichts mit Lernen zu tun. Vermitteln ist eine reine Lehrtätigkeit.

Beim Verb motivieren ist das zumindest technisch leichter: Ich motiviere die Lernenden. Wir müssen jedoch die Grenzen unseres Tuns beachten: Wir vermitteln, wir motiveren, aber lernen passiert außerhalb unseres direkten Wirkungsgrades (siehe dazu auch Blogpost März 2018). Entsprechend müssen wir auch auslassen, wenn unser Gegenüber nicht so tut (lernt), wie wir es uns vorstellen. Unsere Verantwortung für Lernprozesse hat Grenzen: Wir können nur ermöglichen – also gut lehren. Wenn – Dann – Beziehungen gibt es in Lehr-Lernprozessen keine.

Die Wie-Frage: Welche Möglichkeiten habe ich, meine Lehre motivierend für Lernende zu gestalten?feuer.png

Wenn ich Lehrende frage, welche Lehrpersonen für sie besonders motivierend waren und wodurch diese herausstachen, heißt es vielfach, die Leidenschaft und Begeisterung für das Lehr-Lern-Thema. Entsprechend möchte ich dazu aufrufen, sich zu überlegen, ob die Studierenden genügend von der eigenen Begeisterung mitbekommen. Ich beobachte oft, dass die eigene Freude am Thema „geheim“ bleibt. Das ist schade, denn die Lernenden müssen einen Funken erkennen, damit er überspringen kann.

„We don’t need to cuddle, but we need to care“

Als eine, die häufig zu viel Verantwortung für Lernprozesse übernimmt, ist dieser Satz der amerikanischen Psychologin Sarah Rose Cavanagh für mich sehr wichtig geworden. Er stammt aus dieser Sammlung an Hinweisen und Gedankenspielen, als Ideentopf, um Lernmotivation als Lehrende*r zu begünstigen. Meine Lieblingsmotivationstheorie (weil sie Orientierung bietet) und weitere Möglichkeiten zur Steigerung von Lernmotivation werden im nächsten Beitrag besprochen.

Ich wünsche inzwischen schöne Herbsttage und allen Lehrenden zusätzlich viel Lehrmotivation!

 

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