Raum für Wortmeldungen

Viele Studien wurden über das digitale Sommersemester gemacht und einige Studierende haben angegeben, dass die Hemmschwelle sich zu melden in den digitalisierten Lehr-Lernarrangements gestiegen ist. Nun sollte nicht der Eindruck entstehen, dass alle Studierenden uns Lehrenden mit Wortmeldungen während Präsenz-Lehrveranstaltungen die Bude eingerannt hätten. Die Anzahl der Wortmeldungen hängt wesentlich von der Gruppengröße ab. Je größer die Gruppe, desto höher die Hemmschwelle. Ich kann drei Lösungsebenen anbieten, wovon mindestens eine auch in Präsenz funktioniert: Die Art der Fragen an die Studierenden, die methodische Umsetzung und die Aushandlung der Kommunikation in synchronen Online-Phasen.

Für die Arten von Fragen schaue ich anerkennend in den amerikanischen Raum: Der bekannte amerikanische Hochschuldidaktiker James Lang beschreibt in dieser Podcast-Folge die Wirkung, die gute Fragestellungen haben können. Auch online können gute Fragen in ein Lehr-Lerngespräch verpackt werden. Gemeinsam, mittels Antworten von Studierenden wird der Inhalt herausgearbeitet (Link zu einer gelungenen Methodenbeschreibung). Ein Beispiel, wie eine solche methodische Vorgehensweise konkret aussieht, bietet die Harvard Lehrveranstaltung Justice von Michael Sandel. Diese Hinweise gelten für Präsenzformate und Online-Formate.

Neben dem Lehr-Lerngespräch lassen sich methodisch weitere Inszenierungen vornehmen, die die Redebereitschaft von Studierenden erhöht. Z.B. lassen viele Videokonferenzapplikationen die Erstellung von Umfragen zu. Auch der Chat kann gut genutzt werden für die Einbindung studentischer Beiträge. Daraus kann ich dann einzelne Beiträge hervorheben und z.B. um weitere Ausführung bitten.

Die Grenzen zwischen der methodischen Ebene und der Aushandlung der Kommunikation sind fließend. Ich fordere die Studierenden in größeren Gruppen auf, die Handzeichenfunktion in der Videokonferenz-Software zu nutzen. In kleineren Gruppen reicht mir das Einschalten des Mikrofons als non-verbales Zeichen für „Luftholen“. Diese Kommunikationskultur im virtuellen Raum sollte gut kommuniziert und nach Möglichkeit mit den Studierenden gemeinsam ausgehandelt werden.

Zum Schluss ein Leitsatz, den ich mir selbst immer wieder ins Gedächtnis rufe: Sprechpausen von uns Lehrenden machen Platz für Wortmeldungen bei den Lernenden. Ich wünsche viele spannende Dialoge und Interaktionen, online und in Präsenz.

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