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Unbehaglichkeit

Wie so viele Andere, bin ich mit einem fiesen grippalen Infekt außer Gefecht gesetzt. Wirkliche Erleichterung bringt mir eine Suppe, die mein Lebensgefährte immer macht, wenn wir körperlich angeschlagen sind: Wir nennen sie „Monni Mettis Magische Suppe“.

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Die Suppe (Kochrezept) reicht für 3-4 großzügige Porttionen und heilt zumindest physische Unbehaglichkeit. Mentales Unbehagen befällt mich bei der Berichterstattung über die vom Institut für Demoskopie Allensbach durchgeführte Umfrage zur Wissenschaftsfreiheit. Nicht überraschend: 93 Prozent der 1106 befragten Hochschullehrende und wissenschaftliche Mitarbeiter*innen geben an, dass in Deutschland sehr viel oder viel Wissenschaftsfreiheit herrscht. Von tatsächlichen Verbotszonen der Forschung, des Denkens und der Lehre, wie sie beispielsweise in manchen asiatischen Ländern für Wissenschaftler*innen spürbar zu finden sind, dürfte demnach in Deutschland nicht die Rede sein*.

Smileys Kopie

Dennoch wird über die Umfrage aufsehenerregend Bericht erstattet: So würden manche Befragten darüber klagen, dass sie keine Rechts- bzw. Linkspopulisten an die Universität einladen, den Klimawandel nicht bestreiten und gendergerechte Sprache nicht ablehnen dürften. Auch die sogenannte „political correctness“ würde manche wissenschaftlichen Aktivitäten als auch die Lehre einschränken. Die Formulierung „20 Prozent wollen den Staat Isreal ablehnen“ (welt und faz) führt zu ausgewachsenen Missverständnissen, die medial instrumentalisiert werden (siehe dazu  Beitrag im online Magazin Telepolis). Die Tageszeitung kommentiert in diesem Zuge, dass bei der Umfrage nicht nur die Resultate sondern auch die gestellten Fragen bedenklich sind: „Die Bedrohung der Freiheit der Wissenschaft wird als Prämisse gesetzt, und darauf aufbauend werden schlagwortartig Belege gesucht“ (ebd.). Sich als Wissenschaftlerin durch „political correctness“ eingeschränkt zu fühlen sehe ich als ebenso problematisch wie die Instrumentalisierung der Umfrage, um Meinungsfreiheit mit Populismus zu vermischen. Diskurse über jegliche gesellschaftlichen Aspekte müssen unbedingt möglich sein und zwar in andidiskriminierender Sprache und Handlung (siehe Blogpost vom 28.02.2019). Die mediale Suppe wird somit ungenießbar.

Gruppenverfahrgen

Ich möchte daran erinnern, dass wir als Lehrende (egal ob in hochschulischen Kontexten oder anderswo) in die Lage versetzt werden Inhalte so aufzubereiten, dass Lernende sich diese aneigenen können bzw. sollen. Die damit verbundene Verantwortung dürfen wir nicht aus den Augen verlieren. Unsere Worte, unsere Sprache und die dadurch sichtbaren Haltungen haben Einfluss auf unsere Gegenüber. Vielleicht ist die Studie ja Anlass, um in der nächsten Lehrveranstaltung über den Wissenschaftsbetrieb zu sprechen.

 

 

*Trotzem müssen wir gar nicht so weit über die Grenzen blicken. In Ungarn hat die Regierung das Fach „Genderstudies“ 2018 von der Liste der zugelassenen Masterstudien gestrichen.

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